Von Adelaide und einem Deppen – von Mike

Wir wurden vorgewarnt: In Adelaide sei nichts los, es sei eine ausgestorbene Stadt. Wir staunten daher nicht schlecht, als der erste Camping ausgebucht war. Auch der zweite Camping war voll, denn genau an diesem Wochenende fanden ein grosses Autorennen und gleich zwei Festivals in der City statt. Der Angestellte vom Camping grinste nur und sagte: „typisch Adelaide, alles auf einmal und dann nichts mehr bis Weihnachten“. Voller Mitleid zeigte er uns einen Platz neben der Entsorgung, wo wir ausnahmsweise nächtigen durften. Nach der obligaten Stadtbesichtigung, gönnten wir uns wieder einmal ein auswärtiges Nachtessen und Lara schwärmt noch heute von diesem unglaublich leckeren, toll dekorierten und sehr geschmacksintensiven Salat im italienischen Restaurant von Jamie Oliver. Vegetarier sollte man sein, denn meine Pasta war höchstens Durchschnitt, pffff. Den beiden Festivals statteten wir natürlich auch noch einen Besuch ab, bevor es zurück zur Entsorgungsstelle, ähhh dem Camping ging! An dieser Stelle muss ich wohl noch den Temperaturunterschied von ca. 15 Grad erwähnen (meint Lara). Kauften wir vor einigen Tagen noch eine wärmere Decke, verschmachteten wir (speziell Lara) in Adelaide beinahe unter dem Dach unseres Nissan’s. Es war nicht die beste Nacht, mussten wir uns doch zwischen einem lauen Lüftchen und bissigen Mücken oder dem beinahe Hitzetod (Lara) entscheiden. Die Situation wurde durch den einsetzenden Regen auch nicht merklich verbessert und so standen wir am nächsten Morgen früh beim Baumarkt, um uns mit Mückennetzen auszurüsten und uns über mögliche portable Ventilatoren informieren zu lassen.

Nach einem Tag an den Stränden von Adelaide zog es uns weiter Richtung Westen. Wir übernachteten ganz alleine auf einem kleinen Rastplatz und hunderte von Papageien sangen/schrien uns in den Schlaf. Das nächste Tagesziel Port Lincoln lag 520 km weit entfernt und wir erreichten es gerade rechtzeitig um mitzuerleben, wie Fischer ihren Fang ausnahmen und dadurch unzählige Vögel und einige Pelikane angelockt wurden.

Im Lincoln Nationalpark sollte man Kängurus, Emus und Goannas (grosse Echsen) sehen können. Leider konnten wir nichts dergleichen ausfindig machen. Aber auf einmal sahen wir etwas im Meer, was sich später als Seelöwen herausstellte. Weiter ging es zur Coffin Bay und dem dazugehörigen Nationalpark. Die Region war wirklich beeindruckend und hatte von grossen Klippen, Sanddünen und wunderbarem Meer alles zu bieten. Apropos Sanddünen – ein kleiner Weg der nur für Allradfahrzeuge geeignet war, führte uns durch grosse Dünen, welche wir problemlos durchquerten. Als der Sand tiefer wurde, überlegten wir kurz ob wir wirklich bis zum Strand fahren sollten und schon steckten wir fest. Nichts ging mehr! Würde es einen Preis für den doofsten Australientouristen des Tages geben, wäre ich wohl Kronfavorit mit Potenzial zum Monatssieger. Im Verlauf der nächsten 1,5 Stunden wurden wir immer nervöser, weil alles ausgraben, Luft ablassen, Gang wechseln, schieben etc. nichts half. Wir hatten schon fast den Notfall eingeleitet, als sich unser toller Nissan endlich wieder etwas bewegte und wir uns befreien konnten. Im Nachhinein war es natürlich ein tolles Offroadabenteuer mit etwas Nervenkitzel! 😉 Auf dem Weg zurück zur Hauptstrasse, begegneten wir dann noch einer Emufamilie, die einige Male unseren Weg kreuzte.

 

 

Nullarbor Plain & Le Grand NP – von Larissa

Von Coffin Bay ging es weiter nach Ceduna. Dies war der letzte „grössere“ Ort vor einer langen Strecke von Nichts, die Nullarbor Ebene wartete auf uns. Wir rüsteten uns in Ceduna noch einmal mit den wichtigsten Lebensmitteln aus, füllten unseren Wasserkanister, kontrollierten den Ölstand, den Reifendruck und tankten unser Auto voll. Eine Strecke von 1’230 km lag nun vor uns, für welche wir zwei Tage planten. Kilometer für Kilometer legten wir auf dem Eyre Highway zurück und immer seltener kreuzte uns ein anderes Auto. Zu sehen gab es auf dieser Strecke wirklich nicht all zu viel, alle paar hundert Kilometer stand ein Roadhouse, manchmal kreiste ein Adler in der Luft und natürlich die vielen toten Kängurus am Strassenrand, leider. Wir waren jedoch wahnsinnig beeindruckt von den unendlichen Weiten und Distanzen dieses Landes. So weit das Auge reichte, erblickte man einfach nur flache Ebenen mit einer schier endlosen Strasse. Die Route beinhaltet übrigens die längste gerade Strecke in Australien. Ganze 146,6 km geht es ohne jegliche Kurve kerzengerade aus. Hier empfand es Mike als ziemlich sicher, das Steuer für einmal mir zu überlassen. ;-P

Ach und dann war da noch unsere super Abkürzung zum Schluss unserer langen Autofahrt. Ein Einheimischer machte uns vorgängig einmal darauf aufmerksam und es klang für uns ganz interessant. Es sei zwar Offroad, jedoch für unser Auto kein Problem und es seien massiv weniger Kilometer, meinte er. Natürlich wollten wir uns diesen Shortcut zu Nutzen machen. Die Piste war dann ziemlich schlecht und holperig, ja sehr holperig. Nach den ersten 20 km waren wir bereits nicht mehr ganz so sicher, ob unsere Entscheidung richtig gewesen war. Vielleicht waren wir auch etwas vorbelastet von unserem ersten Offroadabenteuer in den Sanddünen. Naja, wir ratterten weiter. Nach 1,5 Stunden hatten wir von den 220 km noch nicht einmal 50 km geschafft. Wie zum Teufel soll das denn bitte eine massive Abkürzung sein??? Frustriert hielten wir irgendwo im Nirgendwo an, assen unsere letzten frischen Sachen zum Zmittag und berieten uns noch einmal. Wir waren beide der Meinung, dass wir bereits zu tief in der „Scheisse“ steckten um umzudrehen. Also setzten wir unsere Reise auf dem sehr rauen Terrain fort, langsam und mühsam. Endlich kam uns ein Auto entgegen, das aller Erste. Wir nutzten die Gelegenheit und erkundigten uns nach den bevorstehenden Strassenbedingungen. Der junge Typ lachte und beruhigte mit den Worten: „no worries mate, you`ll be fine“. Nun kamen wir uns ein bisschen blöd vor, denn er chauffierte einen riesen Anhänger mit einem Boot mit sich. Na gut, wenn er es schafft, sollte es dann ja wohl auch für uns machbar sein – die Bedingungen verbesserten sich jedenfalls tatsächlich einwenig und wir merkten, dass es sich mit mehr Tempo besser fahren liess, ausserdem minimierten wir den Reifendruck und plötzlich kamen wir in Schwung. Der Shortcut zahlte sich wohl also doch noch aus. 😉

Gelohnt hat sich der mühsame Weg so oder so, denn was dann auf uns wartete, war einfach nur gigantisch! Die Rede ist vom Le Grand Nationalpark. Dieser Ort ist gesegnet von purer Naturschönheit. Wir trauten unseren Augen kaum, eine Bucht an der anderen an lockte mit wunderschönen weissen, einsamen Stränden und beinahe kitschig türkisfarbenem Wasser. Seht euch die Bilder selbst an, es braucht wirklich keine grossen Worte. Wir verbrachten die besten Tage in diesem Paradies, campierten direkt am Meer, waren umgeben von zahmen Kängurus und waren einfach nur high von solch einem wunderschönen Fleck Erde.